Sprecher
Beschreibung
Forschung zum Vorbereitungsdienst als zweiter Phase der Lehrer:innenbildung in Deutschland hat durch die letzten einschlägigen Arbeiten z.B. von Dietrich (2014), Košinàr (2014) und Munderloh (2018) sowie dem Sammelband von Peitz & Harring (2021) an Transparenz gewonnen. Allerdings blieb bislang eher im Dunkeln, was die besondere Gruppe der Lehrerbildner:innen eigentlich in ihren Veranstaltungen und in Interaktion mit Referendar:innen tut (Ausnahme im deutschsprachigen Raum: Krüger 2014). Der Beitrag stellt Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt vor (Gerlach 2020), das die Handlungspraktiken von Fachleiterinnen und Fachleitern mit der Dokumentarischen Methode (Bohnsack 2014) rekonstruiert. Mittels einer berufsbiographisch-strukturtheoretischen Perspektive wurde den Fragen nachgegangen, 1) wie die insgesamt elf befragten Lehrkräfte zu Lehrerbildner:innen wurden und 2) wie sie die weitgehende Autonomie nutzen, um ihre Ausbildungspraxis je individuell auszugestalten. Es zeigt sich in einer relationalen Typenbildung, dass sie nach lerntheoretischen Überzeugungen agieren und Praktiken zeigen, welche zudem bestimmt werden dadurch, ob sie sich mit der formalen Strukturierung des Referendariats identifizieren (oder nicht). Ein Schaffen von Ausbildungs- und Reflexionsgelegenheiten für die ihnen anvertrauten Referendar:innen an den unterschiedlichen Lernorten Schule und Studienseminar wird damit abhängig von Passungsverhältnissen, welche nicht nur auf interpersonaler Ebene zu suchen sind, sondern (berufs-)biographisch eingefärbt und abhängig von der eigenen Konstruktion der Lehrerbildner:innen als Lehrende.
Neuere Reanalysen der vorliegenden Daten zeigen zudem die Wirkmächtigkeit institutioneller Normen (Gerlach 2022), welche durch die einsozialisierte Ausbildungspraxis trotz der vermeintlichen Autonomie der Ausbildungskräfte und dem Drang nach einer Implementation methodisch-didaktischer Innovation fehlläuft. Dieser Vortrag soll damit auch Gelegenheit zur Diskussion bieten, inwiefern die deutsche Professionsforschung einen Beitrag zur Lehrer:innenbildung in der zweiten Phase sowie zur Beforschung und Entwicklung der Rolle von Ausbildungspersonal beitragen kann und sollte.
Literatur
Bohnsack, R. (2014): Rekonstruktive Sozialforschung. Einführung in qualitative Methoden. Opladen: Budrich.
Dietrich, F. (2014): Professionalisierungskrisen im Referendariat. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Gerlach, D. (2020): Zur Professionalität der Professionalisierenden: Was machen Lehrerbildner*innen im fremdsprachendidaktischen Vorbereitungsdienst? Tübingen: Narr.
Gerlach, D. (2022): Addressing critical perspectives in language teacher education: Challenging norms and structures. In D. L. Banegas & N. Govender (Hrsg.), Gender Diversity in English Language Education: New Transnational Voices (S. 175–191). London: Bloomsbury.
Košinár, J. (2014): Professionalisierungsverläufe in der Lehrerausbildung. Opladen: Budrich.
Krüger, J. (2014): Perspektiven pädagogischer Professionalisierung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Munderloh, O. (2018): Das Referendariat aus der Sicht der Referendar/innen: Eine ländervergleichende Studie der zweiten Phase der Lehrerausbildung an berufsbildenden Schulen. Weinheim: Beltz.
Peitz, J. & Harring, M. (Hrsg.) (2021): Das Referendariat: Ein systematischer Blick auf den schulpraktischen Vorbereitungsdienst. Münster: Waxmann.